Ein Strom-Marktplatz – ein Zukunftsmodell?
3 Produzenten Stromify Marktplatz

Vor 60 Tagen haben wir uns selbst ein Ziel gesteckt: Konkret: 200 Unterstützer zu finden. Für welches Projekt? Für die Idee eines Marktplatzes, auf dem kleine, regionale Stromproduzenten ihren Ökostrom direkt an die Konsumenten verkaufen können. Peer-to-Peer also.

 

Große Idee, noch nicht Reif für den Markt

Zu sehen, was die Menschen wollen, anstatt Dinge fertig entwickelt vorzusetzen – das ist unsere Devise. Jetzt ist Zeit unser Fazit zu ziehen: Der Direktbezug von Strom stößt auch hier in Österreich und bei uns in Vorarlberg auf großes Interesse. Die angestrebten 200 Stromkunden für das Projekt ließen sich in der angesetzten Zeit aber nicht finden.

Dennoch: Die Menschen, mit denen wir uns unterhalten haben, und die, die sich mit der Idee dahinter befasst haben, waren begeistert von der Möglichkeit, Strom direkt vom Vorarlberger Produzenten zu kaufen. Das haben wir bei persönlichen Gesprächen oder am Telefon genauso gemerkt wie in den vielen Mail-Anfragen und Reaktionen.

 

Die Produzenten waren begeistert

Das Thema hat aber nicht nur Stromkunden angesprochen: Auch viele Stromproduzenten haben sich bei uns gemeldet, weil sie selbst ihren hausgemachten Ökostrom am Marktplatz anbieten wollten. Getestet haben wir den Stromify Marktplatz vorerst mit drei Produzenten: Zusammengerechnet produzieren diese drei ausreichend Überschussstrom, um 200 durchschnittliche Haushalte zusätzlich zu versorgen.

Das heißt: Die Konsumentenanzahl war für uns der Gradmesser für das Potenzial des Strom-Marktplatzes. Hätten wir unsere drei Produzenten in den letzten zwei Monaten auslasten können, hätte sich der Marktplatz auch in größerem Maßstab umsetzen lassen. Das ist nicht der Fall – deshalb müssen wir so ehrlich sein und feststellen, dass das Modell mit den derzeitigen 46 Unterstützern momentan noch nicht in die Praxis umsetzbar ist.

 

Standing Ovations für unsere Unterstützer

Bei jedem einzelnen Unterstützer, der sich bei uns registriert hat, wollen wir uns bedanken: Dafür, dass sie es gewagt haben, eine neue Idee zu fördern. Und dass sie bereit waren, auch tatsächlich mitzumachen! Sie zeigen uns, dass an der Idee sehr viel Richtiges und Wichtiges dran ist.

 

Hürden für P2P Modelle

Gleichzeitig hat die Idee Ecken und Kanten, die sie wohl noch nicht für die große Masse attraktiv machen: Momentan ist es noch nicht möglich, die Plattform so zu gestalten, dass die Stromkonsumenten damit einen Preisvorteil erzielen. Parallel dazu wird unser Strom in Österreich – und besonders in Vorarlberg – bereits sehr nachhaltig produziert: Entsprechend weniger akut als in anderen Ländern ist der Handlungsdruck. Und vor allem: Die Nachhaltigkeit und Regionalität der Stromerzeugung ist noch weniger greifbar als etwa bei Lebensmitteln, wo das Bewusstsein für die Herstellung und Herkunft bereits stark ausgeprägt ist.

Auch wenn der Stromify Marktplatz derzeit seine Pforten noch nicht öffnet: Das Thema Peer-to-Peer-Energiemarkt wird uns weiterhin beschäftigen.

 

Wir sind stolz auf unseren Versuch

Mit dem Stromify Marktplatz waren wir von illwerke vkw der erste österreichische Stromanbieter, der die Idee des digitalen Peer-to-Peer-Strommarktes auf den österreichischen Markt gebracht hat: Das macht uns ein wenig stolz. Und wir haben viel darüber gelernt, wo sich der österreichische Strommarkt in Zukunft hin entwickelt. All die Dinge, die wir aus der Testphase mitgenommen haben, werden wir weiter verarbeiten. Denn so viel ist sicher: Die Digitalisierung macht auch vor dem Strommarkt nicht Halt. Und wer stehen bleibt, fällt zurück 😉 Mut zu Zukunftsideen bleibt also unsere Devise – frei nach dem Motto unserer Mutter illwerke vkw “Energiezukunft gestalten”. Auch wenn das bedeutet, eine gute Idee (noch) nicht umzusetzen.