Umweltzonen – Pro und Contra

Für die einen ein willkommenes Mittel zur Luftverbesserung, für die anderen reine Schikane – Umweltzonen sorgen immer wieder für Diskussionsstoff. Aber was bringen Umweltzonen eigentlich und wie sieht´s damit bei uns im Vergleich zu anderen Ländern aus?

 

Wozu eine Umweltzone?

Eine Verbesserung der Luftqualität in absehbarer Zeit ist das Hauptargument bei der Errichtung von Umweltzonen. Verbrennungsmotoren von Fahrzeugen setzen mit ihren Abgasen Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide frei, was bei dauerhaften Grenzwertüberschreitungen ernsthafte Atemwegserkrankungen zur Folge haben kann. Durch das begrenzte Aussperren von Schadstoffsündern und stattdessen der Nutzung umweltfreundlicherer Fahrzeuge, soll Spitzenbelastungen in Gebieten mit hohem Verkehrsaufkommen und schlechter Durchlüftung entgegengewirkt und damit die europaweit geltenden Immissionsgrenzwerte besser eingehalten werden können.

 

Lage in Österreich

In Österreich gilt eine sehr milde Form der Umweltzone. Nur LKWs der Klassen N1 bis N3 sind verpflichtet, das sogenannte Umweltpickerl zu tragen, genau wie PKWs, die steuerlich als LKW N1 registriert sind. Je nach Euro-Klasse des Fahrzeugs wird das Pickerl in verschiedenen Farben ausgegeben, wobei die meisten Umweltzonen erst eine uneingeschränkte Einfahrt ab Euro-Klasse 2 bzw. 3 erlauben. Bislang gibt es in ganz Österreich insgesamt 6 verschiedene Umweltzonen, welche jeweils im kompletten Bundesland (z.B. Burgenland und Wien) oder auf einzelnen Autobahnabschnitten eingerichtet sind. Bei einem Verstoß ist mit Strafen von bis zu 2180 Euro zu rechnen.

 

Umweltzonen in anderen Ländern

Aufzupassen gilt es, wenn Sie mit Ihrem Fahrzeug beispielsweise auf Urlaub fahren, denn in den meisten anderen Ländern sind Umweltzonen wesentlich strenger geregelt als bei uns. Deutschland hat in insgesamt 50 Städten Umweltzonen errichtet. Dafür gibt es insgesamt drei verschiedene Plaketten in den Ampelfarben Rot, Gelb und Grün, wobei nur mit der grünen Plakette eine uneingeschränkte Einfahrt in alle deutschen Städte erlaubt ist. London und Mailand haben eine City-Maut eingeführt, von der bestimmte abgasarme Fahrzeuge befreit sind. Andere italienische Städte arbeiten mit Umwelttickets, die vor der Einfahrt in gekennzeichnete Bereiche gelöst werden müssen, und Fahrverboten für historische Stadtkerne. Informieren Sie sich vor Ihrer nächsten Reise jedenfalls wie die Situation in der jeweiligen Stadt ist, in die Sie einfahren wollen, um keine Geldbuße zu riskieren.

 

Was bringts?

Bei unseren deutschen Nachbarn konnte laut Umweltbundesamt durch die Einführung von innerstädtischen Umweltzonen die Feinstaubkonzentration fast überall auf ein Minimum gesenkt werden. Bei Stickstoffdioxid wurde das allerdings nicht erreicht, hier herrscht nach wie vor Handlungsbedarf. Ob das eine Umweltzone als alleinige Maßnahme lösen kann, ist fraglich. Was die Wirksamkeit und Zielsetzung von Umweltzonen angeht, wird immer wieder scharf kritisiert, dass die Messwerte aufgrund von Witterung und lokalen Einflüssen großen Schwankungen unterworfen und Industrie und Energiewirtschaft wesentlich größere Verursacher von Schadstoffkonzentrationen sind. Weiters wird argumentiert, dass der erhoffte Effekt der Luftverbesserung durch die Einführung von Umweltzonen bei weitem nicht erreicht wird, sondern lediglich die Mobilität von Autofahrern einschränkt.

 

Fazit

So viele Umweltzonen es europaweit gibt, so unterschiedlich sind diese auch geregelt, siehe z.B. Österreich vs. Deutschland. Größe und Lage des betroffenen Gebiets, Witterung, örtliche Gegebenheiten, Ausnahmeregelungen und tatsächlicher Vollzug sind relevante Faktoren, welche Umweltzonen nur schwer untereinander vergleichbar machen. In der Nähe von Industrieanlagen wird eine Umweltzone kaum den gewünschten Effekt bringen, sondern höchstens als unnötige Einschränkung empfunden. Nicht nur Autofahrer, sondern auch Großverschmutzer sollten vermehrt zur Verantwortung gezogen werden, um ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit einzuleiten und so zur Luftqualitätsverbesserung beizutragen.